Publikation

Kabelwerk Oberspree. Eine Entwicklungsgeschichte

Ende der neunziger Jahre des 19. Jahrh. ging man mehr und mehr dazu über, elektrische Freileitungen durch unterirdisch verlegte Kabel zu ersetzen. Um den steigenden Bedarf an isolierten Drähten entsprechen zu können,…

Note

Bibliografie

  • Untertitel: KWO
  • Autor:in: Susanne Reumschüssel
  • Herausgeber:in: Industriesalon Schöneweide
  • Jahr: 1882–1989
  • Format: Digitaler Longread
  • Sprache: DE
  • Verlag: Industriesalon Schöneweide
  • Thema: Elektropolis, Kabelwerk Oberspree (KWO), Transformation
Kabelwerk Oberspree. Eine Entwicklungsgeschichte

1880-1918

Gründung und Industrialisierung

Werkgründung, Elektrifizierung und frühe Expansion.

1882

Emil Rathenau

Emil Rathenau

1882 erwarb Emil Rathenau, Gründer und späterer Generaldirektor der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG), die Rechte für die Nutzung der Edison-Patente in Deutschland. Eine vertraglich geregelte Interessenabgrenzung mit Siemens ließ der AEG freie Hand im Konzessions- und Finanzierungsgeschäft. Innerhalb von wenigen Jahren gelang…

1895

Kraftwerk Oberspree – „Kaufhaus der Energie“

Kraftwerk Oberspree – „Kaufhaus der Energie“

Das Engagement der AEG in Schöneweide begann mit dem Bau des ersten Drehstrom-Kraftwerks in Deutschland. Mit der neuen Drehstromtechnologie war es erstmals möglich, elektrische Energie außerhalb der Stadt zu produzieren und verlustfrei über große Entfernungen zu transportieren. Architekt Paul Tropp gestaltete die Maschinenhalle mit einer…

1895

Die Drahtfabrik im KWO, 1895, Architekt Paul Tropp

Die Drahtfabrik im KWO, 1895, Architekt Paul Tropp

KWO im Aufbau: 1895 kaufte Emil Rathenau ein Areal mit 92.000 qm direkt neben dem Kraftwerk für den Bau des Kabelwerks Oberspree (KWO). Die schnell wachsende Fabrikanlage galt als sehr modern, alle Maschinen und Transportmittel waren komplett elektrifiziert. Die Produktionsgebäude wurden in Stahlskelettbauweise errichtet, die weiten…

1897

Die damals größte Kabelfabrik Europas

Die damals größte Kabelfabrik Europas

Das Kabelwerk wurde von der AEG als Kombination verschiedener Betriebe so gebaut, dass alle Produktionsschritte für Kabel und Leitungen im Werk hergestellt werden konnten. Im Herbst 1897 nimmt das KWO mit 500 Beschäftigten den Betrieb auf. Im damaligen Geschäftsbericht heißt es:”Schon im Verlauf von wenigen Monaten steigerte sich…

1897

Erster KWO-Direktor: Erich Rathenau (*26.08.1871 † 19.01.1903)

Erster KWO-Direktor: Erich Rathenau (*26.08.1871 † 19.01.1903)

Wie sein Vater war auch Erich Rathenau gelernter Maschinenbauer. Er war dessen große Hoffnung und sollte sein Nachfolger werden. Da er von klein auf gesundheitlich labil war, fuhren die Eltern oft mit ihm zu Kuren. Erich war begeistert von neuen Technologien und leitete den Aufbau des Kabelwerks. Doch dann verstarb er unerwartet auf…

1899

Forschung im Kabelwerk

Forschung im Kabelwerk

Foto: Antennen zwischen den Schornsteinen. Das KWO war auch Forschungszentrum für drahtlose Telegrafie. Unter der Leitung von Erich Rathenau wurden im KWO ein Telefonwerk und ein Hochspannungslabor für die Entwicklung der drahtlosen Signalübertragung eingerichtet. Das „Slaby-Arco System“ bestand aus Sende- und Empfangsanlagen. Zwischen…

1900

KWO als Attraktion

KWO als Attraktion

In mehreren Bauphasen entstand ein einheitliches Ensemble aus Hallen und Stockwerksfabriken. Das gesamte Werk war von Beginn an komplett elektrisiert. 1900 waren bereits 800 Elektromotoren installiert, mehr als 2.000 Glühlampen und 400 Bogenlampen erleuchteten den Betrieb. Für die Berliner und ihre Gäste gehörte das moderne Kabelwerk…

1900

Automobilbau im Kabelwerk

Automobilbau im Kabelwerk

Foto: Mit dem „Klingenbergwagen“ stieg die AEG in Schöneweide in den Automobilbau ein. Emil Rathenau erkannte früh, dass dem Automobil die Zukunft gehört. Das KWO bot ausreichend Platz und technische Möglichkeiten für die Produktion. Um 1900 startete die AEG erste Versuche mit der Herstellung des „Klingenberg-Wagens“ – mit einem…

1904

Station 1904

Station 1904

Für den wachsenden Strombedarf mussten immer höhere Spannungen in immer größere Entfernungen übertragen werden. Im KWO wurde intensiv nach neuen Isolierstoffen für Kabel geforscht. Ziel war die Unabhängigkeit von importierten Rohmaterialien wie Kuper und Gummi. Um Zulieferer zu ersetzen, wurde eine eigenen Metallbearbeitung…

1913

Station 1913

Station 1913

Das Kabelwerk entwickelte sich zum größten und wichtigsten AEG-Betrieb mit 8.000 Arbeitern. Produziert, entwickelt und geforscht wurde in den Bereichen Elektrotechnik, Metallindustrie und Maschinenbau. Die 60kv Massekabel wurden bis nach Afrika geliefert.

1915

Größte Veranstaltung in Schöneweide - Die Beerdigung Emil Rathenaus

Größte Veranstaltung in Schöneweide – Die Beerdigung Emil Rathenaus

Oberschöneweide ist eng verbunden mit dem Namen der Familie Rathenau. Emil Rathenau machte OSW zum Stammsitz der AEG und legte den Grundstein für eines der wichtigsten Industriereviere der damaligen Welt. Mit 76 Jahren starb er an den Folgen seines Diabetes. Sein Sarg wurde im KWO aufgebahrt. Am 20.6.1915 säumten Zehntausende seinen…

1946-1960

Neuordnung und Verstaatlichung

Neubeginn, Umbau und neue Eigentumsordnung.

1946

Kriegsverbrecher

Kriegsverbrecher

Wie alle Großbetriebe in Nazideutschland, so wurde auch die AEG von den Alliierten als „Kriegsverbrecher“ eingestuft. Das Betriebseigentum der AEG im Osten Deutschlands wurde beschlagnahmt und treuhänderisch der Sowjetischen Militäradministration übertragen. Das KWO wurde offiziell aus dem AEG-Konzern herausgelöst und ging als…

1948

Station 1948

Station 1948

Foto: Versammlung auf dem KWO – Gelände am 1. Okt. 1949 – wenige Tage vor der offiziellen Gründung der Deutschen Demokratischen Republik. Alle Betriebe der AEG in der sowjetischen Besatzungszone wurden entschädigungslos enteignet. Da das KWO nun in sowjetischem Besitz war, wurden weitere Demontagen eingestellt. Die sowjetische…

1952

Volkseigener Betrieb – VEB Kabelwerk Oberspree

Volkseigener Betrieb – VEB Kabelwerk Oberspree

Foto: KWO 1951 – Bevor das KWO an die neugegründete DDR übergeben wurde, fotografierten die Sowjets das Werk komplett durch.1952 wurde das KWO der Regierung der DDR als „Volkseigentum“ übergeben und dem Industrieministerium direkt unterstellt. 1952 wurde die Wochenarbeitszeit auf 45 Stunden gesenkt. Unter der Leitung von Generaldirektor…

1959

Station 1959

Station 1959

Foto: Verladung der Kabeltrommeln- KWO um 1961. Das Werk hatte nun 5.000 Beschäftigte. Am Spreeufer wurde die große Fernmeldekabelfabrik wieder neu aufgebaut. Traditionelle Kabelwerkstoffe aus Übersee wie Kupfer, Blei, Kautschuk standen nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügung. Um sie durch Aluminium und synthetische Materialien ersetzen…

1961-1989

Kombinat und Umbruch

Ausbau, späte DDR und die Zäsur von 1989.

1965

Vorzeigebetrieb der DDR

Vorzeigebetrieb der DDR

Foto: Flechtmaschinen für Metalldraht, KWO 1966 In den sechziger Jahren wurden ca. 85% der Starkstromkabel der DDR im KWO produziert. Exportiert wurde in mehr als 40 Länder. Erzeugnisse aus dem KWO waren in Kairo und Helsinki ebenso gefragt wie in Moskau und Havanna. Auch für den Ausbau Osteberlins wurden tausende Kilometer Kabel und…

1967

Kabelpapst, Pionier und Generaldirektor

Kabelpapst, Pionier und Generaldirektor

Foto: Dr. Georg Pohler – Bild aus: Wochenpost, 6.10.1989 Die Entwicklung des KWO ist maßgeblich mit dem Namen Georg Pohler (1913-1997) verbunden. Seine berufliche Laufbahn war außergewöhnlich. 1935 begann er als junger Ingenieur im AEG-Betrieb KWO. 1941 wurde er Entwicklungsleiter in den Draht- Laboratorien und der…

1985

Das KWO expandiert

Das KWO expandiert

Foto: KWO 1985 – Zentrale Elasteaufbereitung – Fabrikanlage mit Silolager am Spreeufer. Das neue Werk ging 1985 in Betrieb. Es produzierte Elast- und Plastmischungen für die Kabel- und Reifenindustrie. Da es auf dem dicht bebauten KWO-Werksgelände zu wenig Platz für eine große Fabrikanlage gab, musste zunächst Bauland aus der Spree…

1989

Station 1989

Station 1989

1989 gehörten dem Kombinat „VEB KWO“ 13 Betriebe mit rund 17.000 Beschäftigten an. Das Kombinat Kabel deckte bis auf wenige Ausnahmen das gesamte Kabelsortiment ab und hatte eine Warenproduktion von rund drei Milliarden DDR-Mark. Das KWO war „Stammbetrieb“ und galt mit 6.000 Beschäftigten als größtes und traditionsreichstes Kabelwerk der…

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