Der Friedhof wurde 1902 als Geschenk des Fabrikanten Emil Rathenau an die Landgemeinde Oberschöneweide angelegt und von Max Stutterheim gestaltet. Vom Haupteingang führt eine Lindenallee auf die Kapelle von 1903/04 zu. Die Anlage wurde 1908 und 1920 erweitert und steht heute als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.
Besonders eindrücklich ist hier die Nähe zwischen Industrie und Erinnerungskultur. Zu den wichtigsten Grabstätten gehören die Familiengrabstätte Rathenau mit Emil, Erich und Walther Rathenau, das Ehrengrab von Carl Deul als Gründerfigur Oberschöneweides, die monumentale Grabstätte von Otto Engel aus dem Umfeld der Lampenfabrik Frister sowie das expressive Grabmal Peierls, das auf die Geschichte des Kabelwerks Oberspree verweist.
Hinzu kommen der Gedenkstein für Opfer des Nationalsozialismus, darunter Wilhelm Firl und Fritz Plön, sowie die Kriegsgräber und das Ehrenmal für die Toten der Weltkriege. Damit wird der Friedhof zu einem Ort, an dem sich Unternehmergeschichte, kommunale Entwicklung, politische Gewalt und die sozialen Brüche des 20. Jahrhunderts auf engem Raum begegnen.
Mögliche Stationen des Rundgangs
- Haupteingang und Lindenallee: Einführung in die Entstehung des Friedhofs als Stiftung Emil Rathenaus und in die Geschichte Oberschöneweides um 1900.
- Friedhofskapelle: neugotischer Backsteinbau von 1903/04 und Auftakt zur Denkmalgeschichte der Gesamtanlage.
- Grabstätte der Familie Rathenau: AEG, Kabelwerk Oberspree, Walther Rathenau und die enge Bindung der Unternehmerfamilie an Schöneweide.
- Ehrengrab Carl Deul: frühe Ortsgeschichte und die kommunale Entwicklung Oberschöneweides.
- Grabstätte Otto Engel: Verbindungen zur Lampenfabrik Frister und zur industriellen Elite des Ortsteils.
- Grabmal Peierls: Erinnerung an die Leitung des Kabelwerks Oberspree und an die gestalterische Vielfalt der Grabmalkunst nach dem Ersten Weltkrieg.
- Gedenkstein für NS-Opfer: lokale Widerstandsgeschichte und die Verfolgung von Arbeiterinnen und Arbeitern aus dem Umfeld Schöneweides.
- Kriegsgräber und Ehrenmal: der Friedhof als Ort von Trauer, Weltkriegsgeschichte und öffentlichem Gedenken.
- Naturnaher Bereich im hinteren Friedhofsteil: Biodiversität, Obstwiese, Staudenbeete und die Frage, warum Friedhöfe auch ökologische Rückzugsräume sind.
Die Führung eignet sich besonders für alle, die Oberschöneweide nicht nur über Fabrikhallen und Straßenzüge, sondern über Biografien, Grabmäler und Erinnerungskultur lesen möchten. Öffentliche Sondertermine zu Themen wie Ortsgründung, Kriegsende, Tag des offenen Denkmals oder Volkstrauertag können zusätzlich gesondert angekündigt werden.

