Röhren für die Republik

Ausstellung

Röhren für die Republik

Der derzeit verfügbare Korpus versammelt die lokal gesicherten Folgen der Reihe. Fehlende Teile werden nach weiterer Prüfung ergänzt.

Ausstellung

Röhren für die Republik

Eine Technikgeschichte des Werkes für Fernmeldewesen und des Werkes für Fernsehelektronik in Oberschöneweide. Die 50-teilige Archivreihe wird hier nicht nacherzählt, sondern zu einem Lesepfad verdichtet: vom sowjetischen Neubeginn über Sender-, Empfänger-, Gasentladungs- und Bildröhren bis zur Halbleiterfertigung.

Korpus

50 Folgen. Lokal gesichert sind derzeit 35.

35 veröffentlichte Archivbeiträge sind lokal vorhanden: Folgen 11-13, 18-48 und 50.

15 Folgen fehlen im lokalen Korpus: 1-10, 14-17 und 49.

1 kuratorische Entscheidung: Die Ausstellung folgt Themen und Umbrüchen, nicht der alten Folgenzählung.

Maßstab Leningrad T2

Aus einem Fernseher wird eine Produktionsrechnung.

31 Röhren gehörten zur Bestückung des Fernsehgeräts Leningrad T2; dazu zählte die Bildröhre 23 LK 1 b.

ca. 65.000 Apparate wurden von 1950 bis 1953 im Sachsenwerk Radeberg hergestellt.

ca. 200 Apparate blieben laut Beitrag in der DDR; der Rest ging als Reparationsleistung an die Sowjetunion.

ca. 64.800 Apparate waren damit Reparations-/Exportstücke. Das ist aus der Beitragsangabe errechnet.

ca. 2.015.000 Röhren ergibt die 31er-Bestückung über 65.000 Apparate gerechnet. Das ist eine abgeleitete Größenordnung, keine eigene Produktionsstatistik im Beitrag.

Fernseher ohne Gehäuse, Foto 1954

Fernsehgerät

Aus Röhren wurde ein Bild. Aus Bauteilen wurde Alltag.

Die Ausstellung nutzt das Fernsehen als öffentliche Schwelle: Hier wird technische Spezialfertigung für Besucher unmittelbar verständlich.

Forschungsakten

Die Zahlen zeigen auch Lücken.

23 vorhandene Forschungs- und Entwicklungsberichte beschäftigen sich mit Magnetrons; nur zwei davon sind laut Beitrag digitalisiert.

20 Forschungs- und Entwicklungsberichte zu Orthikons und Superorthikons sind im Archiv vorhanden; sie warten laut Beitrag alle noch auf Digitalisierung.

15 strahlungsgekühlte Senderöhren listet das RFT-Handbuch Senderöhren von 1969; nur sechs davon sind auf dem Gruppenfoto von 1959 sicher abgebildet.

1968 waren von sechs fotografierten Thyratron-Typen nur noch drei im Angebot.

7 · Werkstatt des Wissens

Die Fotostelle ist selbst eine Quelle.

Viele Folgen beginnen bei einem Fotoauftrag, einem Findbucheintrag, einem Datenblatt oder einem Forschungs- und Entwicklungsbericht. Die Ausstellung sollte diese Materialität zeigen: nicht nur das Produkt, sondern den Weg, auf dem es heute wieder lesbar wird.

Dadurch kann die Ausstellung offen mit Unsicherheit umgehen. Wo Typenbezeichnungen unlesbar sind, wo ein Besteller nur vermutet werden kann oder wo ein Bericht noch nicht digitalisiert ist, wird Archivarbeit als Teil der Erzählung sichtbar.

Übergang

Röhren, Bildröhren, Halbleiter.

1957 wurde im Bauteil A eine eigene Abteilung für Dioden- und Halbleiterfertigung eingerichtet.

1960 wurden vor allem Bildröhren zum wichtigen Produkt neben den Elektronenröhren.

1961 war die Halbleiterfertigung neben dem Röhrenwerk ein eigener Werkteil.

1968 wurde die Empfängerröhrenherstellung eingestellt; die Diodenfertigung expandierte in den 1970er Jahren weiter.

Schluss

Röhren waren Bauteile. Im WF wurden sie zu Infrastruktur, Planwirtschaft und Erinnerung.

Die Reihe zeigt eine Industriegeschichte im Kleinen: ein Bauteil, ein Foto, ein Datenblatt, ein Betrieb und eine Republik, die ihre technische Souveränität immer wieder neu behaupten musste. Die komprimierte Ausstellung hält diese Spannung offen: Produktgeschichte, politische Ökonomie und Archivarbeit gehören zusammen.

×

SucheOrte, Objekte, Veranstaltungen, Publikationen ...