Diese Ausstellung führt durch die Geschichte der Kinderbetreuung im Werk für Fernmeldewesen und im WF. Neun Stationen verbinden betriebliche Sozialpolitik, Familienalltag und Archivobjekte.
Der Pfad folgt neun Stationen: vom ersten betrieblichen Betreuungsbedarf über Wochenheime und Krippen bis zur späteren Kritik an der wochenweisen Unterbringung von Kindern.
Stationen
- Station 1: Arbeit, Kinder und Produktionsalltag
- Station 2: Das Kinderwochenheim Agnes Smedley
- Station 3: Neue Mühle: Wochenheim außerhalb des Werks
- Station 4: Wochenkrippen in der Ostendstraße
- Station 5: Mehr Tagesplätze, andere Erwartungen
- Station 6: Kindheit am Rand des Werksgeländes
- Station 7: Wenn Betreuung Arbeit absichern soll
- Station 8: Einweisung, Regeln und Verantwortung
- Station 9: Ambivalenz und Rückblick
Station 1
Arbeit, Kinder und Produktionsalltag
Die Ausstellung beginnt mit einer Betriebszeitung von 1954. Auf der Titelseite werden Kinderkrippe und Produktion direkt zusammengedacht: Wenn Kinder betreut sind, können ihre Mütter im Werk arbeiten.
Daran wird der Grundkonflikt sichtbar. Kinderbetreuung war Fürsorge, aber auch betriebliche Infrastruktur. Sie sollte Familien entlasten und zugleich Arbeitskräfte im HF und später im WF halten.
Station 2
Das Kinderwochenheim Agnes Smedley
1949 pachtete das OSW ein Haus in der Ostendstraße 10. Nach Renovierung und freiwilligen Arbeitseinsätzen wurde dort 1950 ein Kindergarten eröffnet.
Aus dem Kindergarten wurde bald ein Kinderwochenheim. Kinder konnten montags abgegeben und erst am Wochenende wieder abgeholt werden. Die Einrichtung Agnes Smedley stand damit für eine Form der Betreuung, die Familie und Betrieb radikal neu organisierte.
Station 3
Neue Mühle: Wochenheim außerhalb des Werks
Das Objekt Neue Mühle in Königs Wusterhausen kam vermutlich über die NEF in den betrieblichen Besitz. Zunächst diente es als Ferienheim für Werksangehörige.
Ab 1952 wurde daraus ein Kinderwochenheim. Die Kinder wurden im Kinderheim Agnes Smedley gesammelt und mit dem Bus nach Königs Wusterhausen gebracht. Die Station zeigt, wie weit der Betrieb sein soziales Netz räumlich ausdehnte.
Station 4
Wochenkrippen in der Ostendstraße
Mit der Kinderkrippe Ethel und Julius Rosenberg entstand 1953 eine weitere betriebliche Einrichtung. Auch sie war anfangs als Wochenkrippe gedacht.
Später kamen Tagesplätze hinzu, die Nachfrage verschob sich. Die Entwicklung der Krippen zeigt den Wandel von einer wochenweisen Unterbringung hin zu alltäglicher Betreuung mit mehr Nähe zur Familie.
Station 5
Mehr Tagesplätze, andere Erwartungen
In den 1960er und 1970er Jahren veränderte sich die Nutzung der Einrichtungen. Wochenplätze wurden weniger gefragt, Tagesplätze wurden wichtiger.
Das hatte mit Familienbildern, Arbeitszeiten, Wohnverhältnissen und sozialpolitischen Maßnahmen zu tun. Die Ausstellung liest die Bilder deshalb nicht nur als Kinderszenen, sondern als Spuren betrieblicher Sozialpolitik.
Station 6
Kindheit am Rand des Werksgeländes
Spielplätze, Sandkästen und Kindergruppen gehörten zum erweiterten Betriebsalltag. Die Einrichtungen lagen nicht außerhalb der Werksgeschichte, sondern waren Teil ihrer sozialen Infrastruktur.
Diese Station macht sichtbar, dass sich die Geschichte des WF nicht nur in Werkhallen, Produkten und Plänen abspielt. Sie reicht in Familien, Wege, Pausen und Sorgearbeit hinein.
Station 7
Wenn Betreuung Arbeit absichern soll
Auch leicht erkrankte Kinder wurden zum Thema betrieblicher Organisation. Eine Krankenstation für Kinder sollte Ausfälle der Eltern reduzieren und gleichzeitig Versorgung bieten.
Gerade an solchen Quellen wird die Ambivalenz deutlich: Hilfe für Familien und Stabilisierung der Produktion greifen ineinander. Die Ausstellung lässt diese Spannung stehen, statt sie glattzuziehen.
Station 8
Einweisung, Regeln und Verantwortung
Die Vergabe von Krippen- und Kindergartenplätzen war geregelt. Bis 1973 entschied eine betriebliche Einweisungskommission, danach stärker eine zentrale Stelle beim Rat des Stadtbezirks.
Damit wechselte die Kinderbetreuung zwischen Betrieb, Kommune und Familie. Die Quelle zur BVV macht diese Verwaltungsseite sichtbar: Betreuung war nicht nur Alltagspraxis, sondern auch Aktenlage und Entscheidungssystem.
Station 9
Ambivalenz und Rückblick
Wochenkrippen und Wochenheime werden heute auch mit Blick auf Bindung, Trennungserfahrungen und psychische Folgen diskutiert. Die historischen Quellen des WF zeigen, dass diese Fragen schon im Alltag der Einrichtungen angelegt waren.
Die Ausstellung endet deshalb nicht mit einem einfachen Urteil. Sie zeigt Kinderbetreuung als notwendige Entlastung, als Produktionsbedingung, als staatlich-betriebliche Ordnung und als Erfahrung, die für Kinder und Eltern sehr unterschiedlich gewesen sein konnte.










