Wo die Zeit im Takt der Röhren schlug
Sie hielten den größten Elektronikbetrieb Ost-Berlins am Laufen – mit ruhiger Hand, enormer Präzision und unermüdlichem Einsatz. Die Frauen im Werk für Fernmeldewesen (WF).In staubfreien Hallen montierten sie winzige Gitter, schufen das Herzstück der Röhrenfertigung und balancierten jeden Tag zwischen sozialistischer Brigade, Karriere und dem ganz normalen Alltagswahnsinn. Sie standen im Scheinwerferlicht der DDR-Medien und feierten Frauentage als Rituale der Anerkennung.Die alten Werkhallen an der Spree schweigen heute. Doch diese Ausstellung holt ihre Gesichter, ihre Geschichten und ihr Lachen zurück ins Licht.
Arbeit
Präzision war keine Nebenarbeit
In der Presstellerfertigung wurden feine Drahtstifte in Glassockel eingeschmolzen. Die Arbeit galt als Frauenarbeit, verlangte aber Konzentration, Materialwissen und ein genaues Gefühl für Temperatur und Tempo.
„Von der Kollegin an der Presstellermaschine hängt es ab.“
Förderung und Belehrung
Frauen sollten sich qualifizieren. Zugleich wurden ihre Lern- und Aufstiegsmöglichkeiten oft paternalistisch kommentiert. Die Quellen zeigen Förderung, aber auch Kontrolle und Erwartung.
Die „Gent-Mädels“ wurden zur Projektionsfläche.
Presse, Leistung, Erziehung und kollektive Arbeit griffen ineinander.
Anerkennung als Ritual
Frauentag erschien als Feier und Würdigung. Zugleich zeigen die Quellen, welche Rollenbilder im Betrieb bestätigt und öffentlich inszeniert wurden.
Fazit
Die Geschichte der Frauen im WF ist keine Randgeschichte.
Die Werkhallen sind verschwunden oder haben ihre Funktion verändert. Geblieben sind Fotografien, Erinnerungen und Dokumente.
Aus ihnen entsteht kein vollständiges Bild. Aber genug, um die Frauen wieder sichtbar zu machen, die das Werk über Jahrzehnte mitgetragen haben.
Fokus
Von Sammlung

Ausgewähltes Archivobjekt
Martha Meya mit 2 Kolleginnen; Foto, 1953
Arbeitsplatz
Das Foto wurde veröffentlicht in der Betriebszeitung HF-Sender Nr.2 vom 21. Januar 1954 auf S.2 und diente als Illustration eines von Martha Meya unterzeichneten Artikels "Wie ich die Hockauf-Bewegung in unserem Werk anwandte. Martha Meya

Ausgewähltes Archivobjekt
Mädchen beim Vortrag, Foto 1956
festszene
Ein Mädchen in FDJ-Uniform beim Vortrag anlässlich des Frauentages am 8. März 1956.

Ausgewähltes Archivobjekt
Arbeitsgemeinschaft Pressteller- Hartwig “Ungar. Automat”, Foto 1962
Arbeitsplatz
Sozialistische Arbeitsgemeinschaft Pressteller- Hartwig – "Ungar. Automat". Hartwig war 1963 in der Vorfertigung Leiter der Glasbearbeitung.

